Wie das Leben spielt...

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Neid Falschheit Morallosigkeit Lüneburg

Ich (w/29) habe vor zehn Jahren, zugegeben sehr überstürzt, meinen Mann geheiratet. Der Hauptgrund war eigentlich, dass wir gegen unsere Eltern rebellieren wollten. Denn sie hielten nichts von unserer Beziehung. Wir zogen damals dann in eine kleine Wohnung, ich hatte gerade mein Abitur gemacht und fing ein FSJ an, er war da schon ausgelernter Bürokaufmann und arbeitete in Festanstellung. Aber unsere Ehe ist gar nicht das Thema dieser Beichte, viel mehr unsere Freunde. Nach dem FSJ studierte ich, entsprechend war es finanziell immer sehr eng bei uns. Wir waren bald als das arme Ehepaar verrufen, die nie in Urlaub fuhren und vielleicht ein, zwei Mal im Monat mit auf Partys kamen, dann aber auch nur zusammen an einem Cocktail schlürften. Und natürlich waren wir beide etwas neidisch, wenn wieder Urlaubsbilder von Malle oder New York rumgezeigt wurden. Dazu muss man sagen, dass die meisten Freunde von uns noch bei Mama wohnten. Nach fünf Jahren wirklich harter Arbeit, war ich dann fertig mit meinem Studium und Referendariat und kam bei einer Privatschule unter, mit entsprechendem Verdienst.

Etwa Mitte meines Studiums kam unser Freundeskreis auf die grandiose Idee, endlich mal zu Hause auszuziehen. Dazu muss ich sagen, dass ich von einem Kern von 3-4 Leuten spreche, die die besten Freunde meines Mannes waren, seit der Kindheit. Sie waren alle in befristeten Verhältnissen und zwei noch in der Ausbildung, zwei brachten noch ihre Freundin mit und sie mieteten sich in ein wirklich schönes Loft ein. Sie fragten uns auch, ob wir nicht Bock darauf hätten, aber ich brauchte meine Ruhe. Ich nahm mein Studium sehr ernst und wollte meinem Ehemann nicht unnötig lang auf der Tasche liegen. Aber trotzdem kamen wir regelmäßig vorbei und feierten dort auch so manche Party mit. Nach zwei Monaten ging dann der Streit los. Keiner wollte sich an den Putzdienst halten, es verschwanden Sachen und auch viele der neuen Möbel waren nach kurzer Zeit ganz schön ramponiert, was nicht zum Frieden beisteuerte. Bald hatten wir regelmäßig jemanden bei uns sitzen, der sich bei meinem Mann auskotzte.

Der Höhepunkt kam aber erst ein Jahr später, als es eigentlich schon wieder harmonisch geworden war. Einer der Kumpels meines Mannes hatte eine Banklehre gemacht, wurde aber nicht übernommen. Zwar bekam er etwas Arbeitslosengeld, aber nicht genug, um den Anteil seiner Miete zu zahlen und auch die Unterstützung seiner Eltern wurde eingestellt. Also zog er aus. Keine zwei Wochen später trennte sich das eine Pärchen, beide zogen aus und die Miete wurde pro Kopf zu hoch. Wir wurden förmlich angebettelt, einzuziehen, aber für uns war die Miete zu teuer. Und auch die Suche nach neuen Mitbewohnern gestaltete sich als schwierig. Da wir in einer Studentenstadt leben, meldeten sich eben auch nur Studenten und für die war die Miete pro Kopf auch zu hoch. Schließlich kündigte der Hauptmieter, ohne den Anderen etwas zu sagen, den Mietvertrag und stellte sie drei Monate später vor vollendete Tatsachen.

Neben dem Stress der Wohnungssuche kam der Streit über die Gemeinschaftsmöbel hinzu. Die hatten sie grandioserweise zusammengekauft und konnten sich nicht einigen, wem was gehört. Es war wirklich eine turbulente Zeit, auch weil oft versucht wurde, uns auf bestimmte Seiten zu ziehen. Ich versuchte mich zwar rauszuhalten, aber mein Mann litt in der Zeit sehr viel unter dem Streit seiner besten Freunde, sodass ich auch immer mitgerissen wurde. Ich hatte zu der Zeit gerade mein Referendariat angefangen, also eigentlich auch mehr als genug eigenen Stress, versuchte dann aber trotzdem zu schlichten und kam durch Studienkontakte zu einigen WG-Angeboten für die Freunde. Wie gesagt, es war wirklich stressig für mich und ich machte drei Kreuze, als ich meine zweite Prüfung bestand und auch sofort zum neuen Schuljahr eine Anstellung fand.

Es ging also bei uns bergauf, bei unseren Freunden bergab. Ich kann nicht mal mehr sagen, wer von ihnen es war, doch von heute auf Morgen tauchte ein Blog im Internet auf - über die WG. Und es waren echt krasse Dinge darin zu lesen und noch krassere Bilder. Der Link wurde an alle verschickt, Vermieter, Kollegen, Mitbewohner. Wer auch immer es war, er hat also auch sein Leben zerstört. Und hier komme ich zu meiner ersten Beichte: Ich habe es richtig genossen, als ich sah, wie die Freundschaften zerbrachen. Und dafür schäme ich mich sehr, irgendwie waren es ja auch meine Freunde. Aber wir haben uns immer viel Kritik über unseren Lebensstil anhören müssen - früh heiraten, obwohl man kein Geld hat. Ich studiere, arbeite aber nicht nebenbei. Und dann auch noch Grundschullehramt, obwohl es ein Grundschulsterben gibt. Ob ich deswegen so eine Genugtuung empfand, kann ich nicht sagen. Gesprochen habe ich darüber mit niemandem. Meine zweite Beichte ist, dass ich einen dieser Freunde extra sabotiert habe. Sein Neffe sollte unbedingt bei uns auf die Schule gehen, also bat er mich, ein gutes Wort einzulegen. Als Privatschule haben wir strenge Auswahlverfahren und alles wird bei richtigen Konferenzen besprochen. Als es zu seinem Neffen kam, sprach ich mich gegen ihn aus. Ich nannte zwar keinen Grund, aber meist reicht ein Nein aus, damit jemand aussortiert wird. Als die Absage bei seiner Schwester ankam, rief er mich an. Ich sagte, dass ich alles gegeben hätte, er aber nicht unseren Ansprüchen genügt hätte.

Mittlerweile bin ich schwanger und wir sind vor einigen Wochen in ein großes, spießiges Reihenhaus gezogen, allerdings nur zur Miete. Bei dem Umzug waren auch einige dieser Freunde anwesend und sie rissen sich sogar richtig zusammen. Trotzdem merkte man ihnen an, wie neidisch sie sind. Das Krasseste war jedoch, als einer von ihnen fragte, wie ausgerechnet wir uns denn so eine Bude leisten können. Mir fiel wirklich alles aus dem Gesicht, aber auch hier sagte ich, wie viel zu oft schon, nichts. Meine dritte Beichte ist also, dass ich immer noch nicht verstehen kann, wie man so oberflächlich und dabei so blöd - oder eher naiv - sein kann. Und ich verstehe mich selbst nicht, dass ich diese Typen immer noch so in mein Leben lasse, obwohl ich seit meiner Hochzeit nur Frust und Ärger mit ihnen hatte und meinem Mann immer noch nicht gesagt habe, dass es nicht infrage kommt, dass einer dieser Idioten Patenonkel meines Kindes wird.

Beichthaus.com Beichte #00035217 vom 08.03.2015 um 09:57:56 Uhr in Lüneburg (Uelzener Straße) (11 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

Magath

Ihr habt euer Ding durchgezogen, während die anderen ihr Leben versaut haben, und dafür gibt es nichts zu beichten.

08.03.2015, 15:28 Uhr     melden


Anonühm;) aus , Deutschland

Größtenteils gibt es Absolution. Wobei ich mich auch ein wenig frage, wieso dein Mann an diesen Freundschaften festhält. An sich sollte man als Freunde gemeinsam durch dick und dünn gehen, aber wenn untereinander Neid und Missgunst herrscht, ist das für mich keine Freundschaft. Wegen der Aktion mit dem Neffen gibts aber keine Absolution. Da hätte ich mehr Objektivität erwartet. Entweder er passt ihn die Schule oder eben nicht. Der Junge kann nichts dafür, dass du seinen Onkel nicht ausstehen kannst.

08.03.2015, 15:32 Uhr     melden


Bonestorm

Mit dir möchte ich nicht verheiratet sein. Der letzte Satz sagt doch alles. "Patenonkel MEINES Kindes wird" - das ist immer noch euer Kind und nicht deines. Deine Herrschsucht solltest du mal unter Kontrolle bekommen - oder wenigstens deinen Mund aufmachen und nicht durch deine Intrigen die Zukunft unschuldiger Kinder verbauen.

08.03.2015, 16:17 Uhr     melden


wandervogel

Haha, seit wann ist denn ein Lehramts-Referendariat stressig? Oder bist du gar keine Lehrerin? Das wäre bei der Orthographie zu hoffen. Und natürlich wundern sich eure Freunde, dass ihr euch ein Haus zur Miete leisten könnt. Ihr verdient doch so gut wie nix!

08.03.2015, 16:18 Uhr     melden









G.Now

Wuerde mich nach einem besseren Freundeskreis umsehen. Diese Leute scheinen unreif und missguenstig zu sein.

08.03.2015, 16:37 Uhr     melden


random1234

Wow... auf gefühlten drei Seiten jede noch so unwichtige Einzelheit akribisch niedergeschrieben, als es aber um die schmutzigen Details aus dem WG-Leben geht und damit wirklich spannend wird, machste nen Sprung. An dir ist zumindest keine Schriftstellerin verloren gegangen.

08.03.2015, 18:31 Uhr     melden


ananas67

Das mit dem Neffen ist nicht ok. Der kann nichts fuer seinen Onkel. Deshalb keine Absolution.

09.03.2015, 08:07 Uhr     melden


Sünder14 aus Deutschland

Finde das mit dem Neffen auch nicht in Ordnung, dem hast du vielleicht eine gute Chance vergeigt. Die restliche Story klingt als solltet ihr euren Freundeskreis mal überdenken.

09.03.2015, 21:00 Uhr     melden


Roflgamer aus Österreich

Kann ich gut verstehen, war in einer ähnlichen Situation.

10.03.2015, 15:48 Uhr     melden


gemmakaffeetrinken aus Wien, Österreich

Ich frag mich, warum Du den Neffen sabotiert hast? Wolltest Du denen einfach was *reinhauen* (stellvertretend für die anderen Male, in denen Du nicht gehandelt hast) oder ist das Kind ein Miststück?

29.05.2015, 18:24 Uhr     melden


TrolandDumb aus Bern, Schweiz

"Meine dritte Beichte ist also, dass ich immer noch nicht verstehen kann, wie man so oberflächlich und dabei so blöd - oder eher naiv - sein kann"

Du kannst es nicht verstehen, denn Du bist es selbst.

Du definierst Dich und andere doch selbst in der Beichte nur über materiellen und beruflichen Erfolg. Außerdem scheint Deine Weltsicht extrem egozentrisch zu sein, selbst Deinem Mann gegenüber.

28.05.2020, 08:02 Uhr     melden


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