Die schwierige Beziehung zu meinem Vater

20

anhören

Engherzigkeit Hass Verzweiflung Zorn Familie

Ich hasse meinen Vater im Augenblick. Ich (24) bin Studentin und hatte immer eine schwierige Beziehung zu ihm. Wir haben uns oft angebrüllt und gegenseitig wahnsinnig gemacht, er hat mich oft beschimpft und absichtlich verletzt. Er gab meinen Nichten die Kosenamen, die meine Mutter mir gab, als ich klein war und es gibt so viele Bilder von ihm und den Kindern meiner Schwester - sie sind schließlich der Stolz der Familie, und so weiter. Von mir und ihm gibt es allerdings kein Einziges. Vor zwei Jahren hat er versucht, eine Beziehung zu mir aufzubauen. Nicht, weil ich plötzlich wichtig war, sondern weil ich die Einzige war, die noch zugehört hat - die da war, als es in der Ehe meiner Eltern kriselte. War meine Mutter verfügbar, wurde ich wie Dreck links liegen gelassen, überrannt und beschimpft. War sie nicht da, oder hatten die beiden Streit, war ich wieder gut genug. Ich hasse ihn, weil er nicht auf meiner Hochzeit sein wird, ich hasse ihn, weil er nicht sehen kann, wie ich mein Studium beende, ich hasse ihn, weil er meine Kinder nicht kennenlernen wird. Und vor allem hasse ich ihn, weil ich mich immer daran geklammert habe, dass es irgendwann besser wird, dass wir irgendwann Freunde werden. Ich hasse ihn und habe Angst, dass das niemals aufhören wird. Ich hasse ihn mit einer glühenden Inbrunst, die mir das Herz bricht und mich selbst hasse ich genauso.

Ihr fragt euch, warum? Weil mein Vater sich vor sieben Wochen das Leben genommen hat und sein letzter Gedanke vermutlich war, dass keiner ihn liebt oder braucht. Ich brauchte ihn. Trotz allem. Und ich liebte ihn. Und er fehlt mir so. Und trotzdem war ich für ihn kein guter Grund, um weiterzuleben. Ich habe Angst, mir niemals verzeihen zu können, dass wir nicht besser miteinander auskamen - vielleicht wäre dann alles anders gekommen.

Beichthaus.com Beichte #00031890 vom 13.09.2013 um 00:31:03 Uhr (20 Kommentare).

In WhatsApp teilen
Zufallsbeichte

Kommentare der Beichthaus-Bewohner

Vicco aus Deutschland

Ich wünsche dir viel Glück, dass du über diese Krise hinwegkommst. Das ist ein schwerer Verlust. Dass du deinen Vater hasst, ist in deiner Situation verständlich. Aber ich denke auch, dass es eine normale Phase in der Trauerbewältigung von Angehörigen eines Selbstmörders ist. Das wird schon wieder, rede mit Freunden darüber und mach dir nicht zu viele Gedanken.

13.09.2013, 09:56 Uhr     melden


ed1988

Ich versteh dich so gut, ich kann dir leider nicht sagen das dieser schmerz aufhört, das wird es nicht, mit der Zeit wirds besser aber aufhören wird es nie. Er war ein schwacher Mensch, du dagegen bist stark. Kopf hoch

13.09.2013, 10:08 Uhr     melden


Grenzdebil

Es ist nicht deine Schuld.
Mein Ex nahm sich das Leben kurz nachdem ich mich getrennt habe. Es sieht erst so aus als wäre man der schlimmste Mensch der Welt. Aber du kannst nichts dafür.
Es wird besser!

13.09.2013, 11:20 Uhr     melden


Dogma02

Hört sich für mich so an, als hättest du getan, was in deiner Macht stand, um eure Beziehung zu verbessern. Du brauchst dir also keine Vorwürfe zu machen- auch nicht wegen deiner Gefühle. Das Wäre und Hätte ist leider völlig nutzlos- es ist nun mal anders gekommen. Bitte hasse dich nicht selbst, das hast du nicht verdient. Alles Gute.

13.09.2013, 11:27 Uhr     melden


Eminem

Du hasst ihn nicht - ganz im Gegenteil, du liebst ihn gerade mehr als je zuvor und hasst die Tatsache, dass ihr keinen guten Kontakt hattet, als er sich umgebracht hat. Ja, ja, die berühmten letzten Worte waren hier wohl leider nicht die, die sie hätten sein sollen.

13.09.2013, 11:55 Uhr     melden


127302 aus Deutschland

Eminem hat das sehr richtig erkannt. Ich glaube auch nicht das du ihn hasst, eher liebst du ihn mehr als jemals zuvor.

13.09.2013, 12:26 Uhr     melden


bolzer

Du denkst nur an dich und kannst dich kein Stück in seine Lage versetzen? keine Absolution, da ich diese Situation auch durchmachen musste und sie kenne.

13.09.2013, 12:33 Uhr     melden


gemmakaffeetrinken aus Wien, Österreich

Hassen scheint mir sinnlos zu sein. Du mußt vorher aufhören, bevor der Haß Dir alle Emotionen zerfrißt. Warum über einen Menschen, der nicht gut zu Dir war, trauern?

13.09.2013, 12:49 Uhr     melden



Jojo1977

Ich kenne dein Leid. Ich habe ähnliches durchgemacht. Der Hass wird mit der Zeit verschwinden, wenn du es zulässt. Sprich in einem Jahr mit deiner Mutter über ihn und lasst euren gemeinsamen Erinnerungen an ihn freien Lauf. Mir der Zeit wirst du ihn besser kennen und auch seine Beweggründe (so unrealistisch sie auch sein mögen) besser verstehen können. Ich denke an dich.

13.09.2013, 12:51 Uhr     melden


Bücherwurm

Du hast keinen Hass in Dir, sondern Liebe, Trauert, Enttäuschung und Wut. Besuche das Grab Deines Vaters und rede Dir dort alles von der Seele. Er wird es nicht hören, aber es wird Dir helfen, Deine Gedanken zu ordnen. Und sprich mit Deiner Mutter darüber, warum dieser Vater so war wie er war und warum er sich und andere so gequält hat. Du kannst die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber vielleicht fügen sich irgendwann alle Puzzle-Teile zu einem Ganzen und Du kannst ihm verzeihen und Deinen Frieden mit ihm schließen.

13.09.2013, 15:30 Uhr     melden


Marquis

@ bolzer: Du bist wirklich ein rücksichtsloser Mensch. sie versucht sich in ihn hinzu interpretieren. Dass du ihr keine Absolution geben willst nur weil du das durchgemacht hast, zeigt wie charackterschwach du selbst bist.

13.09.2013, 16:24 Uhr     melden


Koloto

Dein Vater hat jahrelang gelitten und schlussendlich den Freitot gewählt. Es war ihm bewusst welchen Schmerz er seiner Umwelt zufügt. Leider war es ihm durch seine durcheinander geratene Gefühslwelt nicht möglich Ordnung in seine soziale Beziehungen und sein Leben zu bringen. Es war auf keinen Fall durch deine Schuld. Schade dass dein Vater ein solches Trümmerfeld hinterlässt und dich beim Aufräumen alleine lässt. Dir wird jetzt viel abverlangt. Wünsche dir viel Mut und gutes Gelingen.

13.09.2013, 17:37 Uhr     melden


sYa

Keine Absolution zu 4 Sternen und dessen Beichte. Ich glaube dir nicht. Wieso sollte dein Vater seine Nichten mehr lieben, als dich? Ich hab keine Gründe in deiner Beichte erkennen können. Wenn du schon beichtest, dann solltest du alles beichten.

13.09.2013, 17:38 Uhr     melden


Jojo1977

Die Dummheit mancher Kommentatoren grenzt an Körperverletzung. Hier berichtet ein Mensch von dem schlimmsten, was einem Kind wohl passieren kann und ihr zerreißt euch das Maul. Ihr seid ehrlos. Und wie ich es bereits heute mittag schrieb, mir ist ähnliches passiert. Euch auch?

13.09.2013, 21:41 Uhr     melden


Anonühm;) aus , Deutschland

Man kann deine Gefühle verstehen. Aber manche Schicksale suchen sich Menschen selbst aus, so leider auch dein Vater.

13.09.2013, 21:48 Uhr     melden


gemmakaffeetrinken aus Wien, Österreich

Jojo, bist Du noch sehr jung und trägst deswegen ein bißchen dick auf? Andere einfältig als *ehrlos* zu bezeichnen, weil sie andere Meinungen, andere Blickwinkel haben, ist gelinde gesagt naiv. Die Wahrheit ist ein pfadloses Land.

14.09.2013, 15:39 Uhr     melden


Jojo1977

@gemma Ich denke, jemanden als naiv zu bezeichnen weil er andre Ansichten als ehrlos ansieht scheint mir ein Zeichen von mangelnden Sichtweiten zu sein. Ich empfinde es aber als angenehm das Begriffe wie Ehre tatsächlich unserer Jugend zugesprochen werden. (y) Auch wenn ich leider nicht mehr dazu gehöre.

14.09.2013, 16:51 Uhr     melden


ManU_Master aus Deutschland

Naja, was soll man sagen? Du darfst dir dafür nicht die Schuld geben. Du hast ihm oft genug gezeigt, dass er von dir eigentlich gebraucht wurde.

15.09.2013, 00:13 Uhr     melden


Junella

Sorry, aber deine Beichte lässt dich nicht sonderlich gut wegkommen. Ich komme nicht von dem Gedanken los, dass dieser Mann vielleicht noch Leben würde, wenn seine Tochter etwas verständnisvoller und weniger eifesüchtig auf die Kinder der Schwester gewesen wäre. Aber dein Verlust wischt solche Überlegungen wohl weg und lässt nur noch zu, dass man dich tröstet und dir gut zuredet. Dem Vater kann man nicht mehr helfen, aber dir.

16.12.2013, 19:01 Uhr     melden


Liberté_Toujours

@Junella: Ich finde nicht, dass man der Tochter die Schuld am Selbstmord des Vaters geben kann, bzw. daran, dass der Vater nicht auf sein Leben klargekommen ist. Wir leben in einem Land mit der allerbesten psychologischen Versorgung. Niemand bricht sich beispielsweise ein Bein und sagt "ich muss das allein schaffen". Das machen die Leute nur bei Erkankungen der Psyche, obwohl das unnötig und dumm ist. Und wenn es dann zum Selbstmord kommt, was bei einer unbehandelten Depression sehr viel wahrscheinlicher ist, als bei einer Behandelten, dürfen sich die Angehörigen mit den Schuldgefühlen rumschlagen. Feige und armselig ist das vom Vater!

16.12.2013, 20:15 Uhr     melden


Kim1

Das bricht auch mir das Herz. Ich wünsche Dir viel Kraft.

09.07.2015, 09:36 Uhr     melden


Jetzt anmelden, um auch einen Kommentar zu schreiben.

Facebook Kommentare

Ähnliche Beichten

Ich hasse meine Mathelehrerin!

Ich beichte hiermit, dass ich meine Mathelehrerin nicht leiden kann!

Leiden unter Depressionen

Ich habe gerade ziemliche Depressionen, mir geht es echt dreckig und niemand scheint das zu bemerken. Ich wollte nur mal sagen: Ihr könnt mich mal!


Aggression   Begehrlichkeit   Betrug   Boshaftigkeit   Diebstahl   Drogen   Dummheit   Ehebruch   Eifersucht   Eitelkeit   Ekel   Engherzigkeit   Falschheit   Faulheit   Feigheit   Fetisch   Fremdgehen   Geiz   Gewalt   Habgier   Hass   Hochmut   Ignoranz   Lügen   Manie   Maßlosigkeit   Masturbation   Missbrauch   Misstrauen   Morallosigkeit   Mord   Neid   Neugier   Peinlichkeit   Prostitution   Rache   Schamlosigkeit   Selbstsucht   Selbstverletzung   Sex   Stolz   Sucht   Trägheit   Trunksucht   Ungerechtigkeit   Unglaube   Unreinlichkeit   Vandalismus   Verrat   Verschwendung   Verzweiflung   Völlerei   Vorurteile   Waghalsigkeit   Wollust   Zorn   Zwang   Zwietracht