Verhasstes Papakind

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Selbstverletzung Hass Falschheit Familie

Ich hatte eine komplizierte Kindheit. Mein Vater verließ meine Mutter und mich, als ich 7 Jahre alt war, weil er eine neue Frau kennenlernte, woraufhin meine Mutter in tiefe Depressionen verfiel. Ich habe meinen Vater abgöttisch geliebt, er war wirklich alles für mich. Ich war so gesagt ein Papa-Kind. Seine Erziehung war geprägt von Herzenskälte und absoluter Härte. Wer Gefühle zeigt, ist schwach. Das lehrte er mich auch mit Erfolg. Mein Vater hat nie verheimlicht, dass er puren Hass meiner Mutter gegenüber hegte, was mich als 7-Jährige natürlich völlig überforderte. Heute, wo ich es besser weiß, muss ich mir leider eingestehen, dass wir uns in Vielem gleichen, was mich immer wieder erschreckt.
Wir haben soviel Hass und Wut auf andere, dass wir es kaum schaffen, Menschen zu zeigen, dass wir sie gerne haben. Sie sogar lieben. Ich schließe relativ schnell mit Menschen ab, wenn ich mich verletzt fühle. Ich kann es kaum ertragen zu zeigen, dass mich etwas verletzt. Aber, nur weil ich mir dessen völlig bewusst bin, heißt das leider nicht, dass ich das abstellen kann.


Mit vielleicht 10 Jahren war ich diejenige, die die erwachsene Person im Haus war. Ich habe so gut es ging meine Mutter beschützt. Mir blieb auch nichts anderes übrig. Das war als Kind nicht leicht, zumal ich alle 2 Wochen, da besuchte ich meinen Vater, immer wieder fein runtergeputzt wurde. Dass ich so Fett bin, wurde immer mal wieder Thema zwischen ihm und seinen Freunden, obwohl ich daneben saß. Ich konnte nur nichts sagen. Ich war wie gelähmt. Ich war ein Kind!
Ich konnte ihm nie etwas Recht machen. Ich habe aus Frust alles in mich hineingefressen. Ich konnte spüren wie meine Haut am Bauch riss. Diese Dehnungsstreifen, die bei Schwangeren als Schwangerschaftstreifen bekannt sind. Das ist ein sehr ekelhaftes Gefühl. Ich kann es nicht beschreiben. Ich habe gefressen, bis ich kotzte. Ich habe mir die Fingernägel so weit abgefressen, bis sie bluteten. Noch schlimmer war das Händewaschen. Wenn die Haut weich wurde aufgrund des Wassers. Es tat so weh! Ich habe angefangen, Zigarettenstummel auf meinen Armen und Beinen auszudrücken. Ich habe mich absichtlich verletzt, weil ich diesem unglaublichen Druck einfach nicht mehr standhielt. Danach war ich für einen kurzen Moment einfach nur ich.


Meiner Mutter habe ich nie Vorwürfe gemacht. Sie konnte gar nicht anders zu diesem Zeitpunkt. Man ist halt ab einem gewissen Punkt auch einfach nur ein Mensch. Sie starb vor 6 Jahren. Mein einziger Anker. Sie alleine wusste, gegen was ich da ankämpfe. Was habe ich Gott verflucht! Er nahm mir alles! Ich habe nun mehr als 4 Jahre Therapie hinter mir. Ich bekomme es nur leider nicht aus meinem Kopf! Ich habe seit meiner Kindheit eine unglaubliche Wut, soviel Hass in mir. Wenn man in frühen Jahren bereits gelernt hat, dass es wichtig ist eine Maskerade zu spielen ist es schwer dies abzulegen. Ich musste gut gelaunt sein- den Schein wahren. Ich habe Menschen verscheucht, die ich wirklich geliebt habe. Und ja, ich bereue dies zutiefst! Der Gedanke daran schmerzt! Stattdessen hatte ich bisher Partner, wo ich wusste, dass es im Grunde nicht dass ist, was mich glücklich macht. Ich habe Menschen absichtlich weh getan, die ich liebte. Und es tut mir so Leid! Was in mir vorging, wusste keiner.


Fakt ist, dass ich nicht fähig bin eine Beziehung mit Liebe und Vertrauen aufzubauen, weil ich vorher bereits die Flucht antrete. Ich rede mir immer ein, dass ich stark bin, dass ich keinen brauche. Aber zugeben, dass ich traurig und einsam bin und nicht weiß, wohin ich gehöre, fällt mir so schwer. Selbst mir gegenüber. Für Außenstehende ist all dies vielleicht albern, völlig überzogen und sie können dies nicht nachvollziehen. Ich bin kein Dummchen und ich bin alles andere als naiv! Ich bin gerade wieder an einem Punkt, wo ich aufgeben möchte. Weil ich einfach nicht mehr die Kraft habe. Und, weil ich mich frage, warum ich mir das Leben selbst so schwer mache. Es scheint, als würde es wirklich Menschen geben, die fast schon schwebend durch ihr Leben gleiten und ich habe den Schlüssel für meinen Klotz am Bein so gut versteckt, dass ich ihn selbst nicht finde. Ich hasse alles, was mich umgibt. Oft habe ich mir gewünscht, nicht zu existieren. Und ich wünschte, dass ich den Mut hätte, meinem Vater/Erzeuger die gerechte Strafe für das zu geben, was er mir antat. Ob es gerichtliche Konsequenzen für mich hätte, ist mir egal. Ich habe nichts, was ich verlieren könnte! Trotzdem würde ich ihm verzeihen. Und dafür schäme und hasse ich mich unglaublich. Ich trete das mit Füßen, wofür ich seit über 20 Jahren kämpfe und ich verrate mich selbst und dafür hasse ich mich unglaublich!

Beichthaus.com Beichte #00029019 vom 07.06.2011 um 12:40:22 Uhr (19 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

Whitie66 aus Deutschland

Also erst einmal mein Respekt! Du weisst und wusstest, dass Du Hilfe benötigst, und Du hast diese auch gesucht.
Aber scheinbar nicht die richtige Hilfe. Wenn nach 4 Therapiejahren der Knoten immer noch so fest sitzt, kommt Dein Therapeut wohl nicht so richtig ran. Das kann mehrere Gründe haben. Sprich mit ihm darüber und ggf. solltest Du den Therapeuten wechseln. Bei der Therapie kommt es auch immer auf die Persönlichkeit des Therapeuten an...

09.06.2011, 11:07 Uhr     melden


tuff.gong aus Duisburg, Deutschland

Schließe mich Whitie66 an, es muss sich etwas ändern...

09.06.2011, 11:44 Uhr     melden


Fräulein_Flauschig aus Bikini Bottom

Du wirst das Erlebte und deine Probleme damit nie ganz loswerden. Du kannst nur versuchen irgendwie damit zu Leben. Und dabei hätte dir die Therapie eigentlich helfen sollen, hat sie aber offensichtlich leider nicht. Gib nicht auf! Ich wünsch dir alles Gute!

09.06.2011, 12:18 Uhr     melden


Gemein

Und wo ist deine Beichte? -.-'

09.06.2011, 13:22 Uhr     melden


Ludwig aus Deutschland

Dass du nicht in der der Lage bist, eine liebe- und vertrauensvolle Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen, solltest du für den Moment akzeptieren. Mach dir keine Vorwürfe deswegen. Liebe und Vertrauen musst du zuerst dir selbst gegenüber aufbauen. Wie die anderen geschrieben haben, würde eine neue Therapie vielleicht Sinn machen. Denk mal darüber nach. Davon abgesehen rate ich dir, dich auf keinen Fall zu Hause zu verkriechen. Geh raus. Schau dir irgendwelche Ausstellungen an oder geh in den Zoo. Informiere dich über schöne Wanderwege in deiner Nähe und mach einen Tagesausflug. Mach eine Reise wenn du es dir leisten kannst. Oder steh morgens kurz vor Tagesanbruch auf und mach einfach mal einen Spaziergang. Überleg dir jeden Tag eine gute Sache, die du für dich tun kannst. Probier auch Dinge aus, die du noch nie gemacht hast. Es muss nichts Großes oder Teures sein und es ist egal ob du alleine bist, oder Freunde dabei sind. Bereite dir einfach jeden Tag selbst eine Freude.

09.06.2011, 14:17 Uhr     melden


Schuhverkäufer

1. Mach dich nicht immer für seine Fehler verantwortlich und suche die Schuld bei dir. Er hat dich leider Gottes zu dem gemacht was du heute bist. 2. Es ist leider doch irgendwie genetisch bedingt wenn man so wird. Aber es liegt auch daran das man es nie anders gezeigt bekommen hat. Sei nicht so verschlossen wenn auch du einmal bedinungslose Liebe erfährst. Sie mag zwar erschrekend für dich sein, fühlt sich aber beim zweiten Gedanken doch recht gut an.
Wechsel den Therapeuten bitte, ein guter kommt ziemlich schnell auf denTrichter was mit dir los ist und arbeitet daran.
Stell dich deinem inneren Schweinehund und sage deinem Erzeuger knallhart das es dich schon immer verletzt hat wie er mit dir umging. Nenn ihm beim Namen, das macht es leichter für dich als wenn du Papa sagen würdest.
Mir ging es damit zumindest besser nach 30 Jahren. :)

09.06.2011, 15:19 Uhr     melden


29873

Ich denke, du hast einen falschen Therapeuten gehabt. Einen, der deinen Problemen nicht gewachsen ist. Versuch, eine andere Hilfe zu finden. Das hast du nötig.

09.06.2011, 16:19 Uhr     melden









G.Now

Versuch unter Leute zu kommen und stabile Freundschaften aufzubauen. Ein gutes soziales Umfeld wird Dir sicherlich schon ein ganzes Stück weiterhelfen. Kopf hoch!!

09.06.2011, 16:38 Uhr     melden


Whitie66 aus Deutschland

Tja... So ist das nun mal! Da gibt es User wie @Friend und @G.Schwätz, die diese Seite als reine Unterhaltung ansehen. Aber es gibt hier auch andere User, die eine Beichte als solche noch ansehen. Was ist hier die Beichte?
Hier kann einer bald explodieren und er erkennt es. Es geht hier nicht um die Schmalspurbeichten, die den unterhaltungssuchenden Usern ihren "Day maken". Wenn Ihr Unterhaltungslustige doch einfach Euren Senf nur zu den "daymaking" Beichten anfügen würdet, wäre hier vielen geholfen!

09.06.2011, 19:49 Uhr     melden


Friend

Mir ist nicht ganz klar warum mein Kommentar entfernt wurde. Er ist in keiner Weise beleidigend. Ich kritisiere nur, dass Menschen die wirklich Probleme haben versuchen sie über diese Seite zu lösen. Da sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden und nicht die von Zufallsmenschen aus dem Internet. Hinter jedem Benutzer kann sich sowohl ein 12-Jähriges Kiddie stecken, als auch der freundliche Mann von der Müllabfuhr oder der Chemiestudent. Ich stelle nicht infrage, dass eure Absichten gut sind, aber eure Ratschläge sind relativ wertlos und können weder Gespräche mit Freunden noch professionelle Hilfe ersetzen.

Ansonsten alles Gute für die Beichterin.

10.06.2011, 11:48 Uhr     melden


Muellerskuh

Ich weiß nicht genau, ob der Kommentar, dass die Beichte langweilig ist, du nur einen Text voller Selbstmitleid siehst oder ob es dein Kommentar war, dass es sich bei dieser Beichte wohl um einen gelangweilten Psycholgiestudenten handelt. Auf jeden Fall waren die Kommentare völlig unnötig und auch ziemlich unpassend.
Nicht jeder ist dazu fähig einen Text zu lesen, ihn zu verstehen und dann auch noch einen angemessenen Kommentar zu verfassen, oder es zu lassen.
Dem Beichter jedenfalls wünsche ich alles Gute und hoffe inständig, dass er den richtigen Weg für sich findet.

10.06.2011, 13:26 Uhr     melden


Fräulein_Flauschig aus Bikini Bottom

@Friend: Ich finde es ziemlich anmaßend einfach mal in den Raum zu werfen dass "unsere Ratschläge relativ wertlos" sind. Natürlich ersetzen sie keine professionelle Therapie oder Gespräche mit Freunden, aber das sollen sie auch nicht. Es soll ja noch Beichter geben, welche die Kommentare zu ihrer Beichte verfolgen. Und etwas postiver Zuspruch und Denkanstöße können einem emotional auch den Rücken stärken oder dazu anregen mal einen anderen Weg einzuschlagen! Ob die Ratschläge also "relativ wertlos" sind oder nicht, hast also in diesem Falle nicht du sondern die Beichterin zu entscheiden.

10.06.2011, 14:08 Uhr     melden


plarry

Man merkt daß Du einen ganz guten Überblick hast. Du kannst Deine Grenzen nur akzeptieren. Mach einfach so gut wie Du es kannst und laß die Selbstvorwürfe.

10.06.2011, 22:49 Uhr     melden


Brizzer

Tut mir echt sehr Leid für dich.
Ich würde dir eine Hypnosetherapie empfehlen. Bei viele Menschen schlägt eine normale Therapie nicht an. Und du hast nichts zu verlieren, also ist es ein Versuch wert. Meine Freundin hat sich auch schon aufgegeben gehabt (nach 2 Jahren Therapie) doch durch eine Hypnose Sitzung ist sie wie ausgewechselt. (Ist jetzt 1 Jahr her) Alle Probleme und Sorgen sind verschwunden, klar muss man den Willen dazu haben und selber was ändern wollen, aber ich denke du hast den Willen.
Ich wünsche dir alles Gute und drück die Daumen

14.06.2011, 10:22 Uhr     melden


spax

Ich halte es auch für naiv, zu glauben dass die Kommentare hier abgesehen von der Unterhaltung einen großartigen Nutzen haben. Wenn der/die Beichter/in bereits in der Lage ist, das Problem in klare Worte zu fassen, können ein paar dahergelaufene Hobbypsychologen aus dem Internet keine große Hilfe mehr sein.

14.06.2011, 11:05 Uhr     melden


Heuschrecke

Chavita 3 - Emvita 9

20.06.2011, 14:14 Uhr     melden


aronoele

ich kenne das. Dass man die amske aufsetzt weil man es von klein auf so gelernt hat. ich kenne auch, dass man seine schwächen anderen gegenüber nie zeigen will. Es ist schwer zu überwinden. Deine Kindheit ist wirklich ein schreckliches Erlebnis und du wirst es auch nicht vergessen können, aber wie die anderen schon gesagt haben: du musst anfangen damit zu leben. Sag dir: das liegt hinter mir. Das, das vor mir liegt wird so viel besser werden! ich würde dir empfehlen dir eine Person zu suchen, der du deine ganze Geschichte in Ruhe erzählen kannst und mit der du üben kannst. Ja wirklich. du sollst üben, deine Maske abzulegen und dich auch mal verletzlich zeigen. Anfangs ist es natürlich schwer und es wird seine Zeit brauchen, aber ich finde dass es nur übung braucht. Ich sage jetzt nicht, dass du dich total wandeln wirst, aber womöglich könnte sich deine Verhaltensweise den Menschen gegenüber die du liebst, ein wenigig zum Guten verändern. Ich wünsche dir noch viel Glück und gib nicht auf. Es gibt so viele schöne Dinge für die es sich lohnt zu leben.

25.07.2011, 17:17 Uhr     melden


Cameea

Tut mir wirklich leid was mit die passiert ist! Ich habe das Problem mit dem Fressen auch. Bist du inzwischen da rausgekommen und hat deine Therapie zumindest ein bisschen was gebracht?
Ich finde es furchtbar, dass dein Vater dir das angetan hat. Alles gute für die Zukunft.

23.07.2012, 16:55 Uhr     melden


gemmakaffeetrinken aus Wien, Österreich

Du mußt die Spannungen, die alten Speicherungen, Verdrängungen an emotionelle Traumata, aus Deinem Körper rauskriegen. Sanfte Massagen, Bäder, Akupunktmassage. Du mußt mit dem alten *Dreck* aufhören, es ist vorbei. Such Dir Objekte, Situationen, die Du genießen lernst. Das mußt Du lernen. Rose riechen. Fahrtwind beim Radlfahren lieben. Zulassen, das etwas gut zu Dir ist, daß etwas Dir gefällt. Du sollst nicht Dein Feind sein, es laufen genügend Vollhonks herum.

02.11.2012, 11:24 Uhr     melden


Gauloises19

Schließe mich bedingungslos den anderen Kommentaren an. Höre niemals auf zu Kämpfen, die kurzen Augenblicke des Frieden musst du völlig genießen. Das gibt dir die Kraft weiter zu machen. Die wünsche ich Dir im Übrigen von tiefsten Herzen! Kann jeden Punkt nachvollziehen und weiß wie hart der Weg daraus ist.

07.08.2013, 16:23 Uhr     melden


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