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1.8/5 (138 Votes)

300 km umsonst gefahren

(00030929)



Ich lernte vor Jahren einen ganz sympathischen Typen im Internet kennen, wir tauschten Nummern aus und schrieben Tag und Nacht. Letzten Sommer haben wir uns gestritten, ich habe den Kontakt abgebrochen, ihn ignoriert. Einen Tag später, stand er morgens vor meiner Tür um alles zu klären. Ich weigerte mich ihm zu begegnen, total geplagt von Selbstzweifel und dem Glauben, er würde mich abstoßend finden. Ich machte mich fertig und fuhr dann zu einer Freundin. Ich habe mich noch mit den Worten "Du bist doch gestört" verabschiedet. Danach hatten wir noch Kontakt, er hat sich entschuldigt, ich mich nie. Heute tut mir das Ganze unglaublich leid. Er bat mich auch um etwas zu trinken, aber ich wollte nur möglichst schnell fort und habe ihm nicht einmal eine Wasserflasche in die Hand gedrückt. Ich kriege immer wieder Bauchschmerzen, wenn ich daran denke, dass er 300 Kilometer gefahren ist, nur um das zu klären, während ich so ein Miststück war. Falls mir noch einmal sowas ähnliches passieren sollte, kriegt die arme Person einen Kaffee, selbst dann wenn sie nur um die Ecke wohnt, versprochen!



Beichte vom 25.03.2013, 15:40:11 Uhr
Ort: Münster

1.5/5 (98 Votes)

Unser Bunker im Wald

(00030928)



Ich (m/23) möchte einen Dummerjungenstreich beichten. In der Grundschulzeit haben wir (drei Jungs) oft und gerne Bunker und Buden im Wald gebaut. Bei einem Bau haben wir uns dann irgendwann ziemlich gestritten. Normalerweise wurde das mit einer Prügelei aus der Welt geschafft, aber mein Freund und ich waren so sauer auf den dritten, dass wir ihn einsperrten und für eine gewisse Zeit nicht gehen ließen.

Problem dabei: dieser Junge litt an Diabetes, musste regelmäßig gespritzt werden und war darüber hinaus in dem Moment schon sehr spät damit dran. Wir wussten das und haben es ignoriert. Erst nachdem er uns minutenlang anflehte, haben wir ihn gehen lassen. Er ist dann nach hause getorkelt. Glücklicherweise ging alles gut und er bekam noch rechtzeitig seine Dosis. Rückblickend schäme ich mich für unser Verhalten. Wie grausam Kinder sein können. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man das noch unter Dummerjungenstreich verbuchen kann.



Beichte vom 25.03.2013, 11:21:20 Uhr
Ort: Dessau-Roßlau

2.7/5 (144 Votes)

Kein Wort über die Krankheit

(00030874)



Momentan befinde ich mich in einer ziemlich beschissenen Lage. Ich studiere Germanistik und Geschichte und bin 23 Jahre alt. Vor ein paar Monaten hat es angefangen, in der Bauchgegend ziemlich stark zu krampfen. Ich dachte, das wäre nur das typische Anzeichen dafür, dass ich meine Periode bekomme, aber hinzu kam, dass ich ständig Durchfall und dann wieder üble Verstopfungen hatte und als ich eines Tages in meinem Stuhlgang Blut entdeckte, dachte ich, es wäre Zeit, zum Arzt zu gehen. Das habe ich dann auch getan und nach einigen Bluttests, einer Stuhlprobe und zwei weiteren Arztbesuchen für einen Ultraschall und einer unangenehmen Darmspiegelung, sagte mir der Arzt, dass ich Darmkrebs habe. Ich fiel aus allen Wolken und mein Leben veränderte sich schlagartig. Statt über den Lehrbüchern zu hängen und zur Uni zu gehen, ist die Arztpraxis, beziehungsweise das Krankenhaus zu meinem Zweitwohnsitz geworden. Der Krebs hat schon längst Fernmetastasen gebildet und meine Leber und meine Lunge angegriffen. Zuerst musste ich eine Chemotherapie machen, um zu versuchen, die Metastasen und den eigentlichen Tumor klein zu halten oder vielleicht sogar zu verkleinern, um ihn dann operieren zu können. Mir ging es so schlecht in der Zeit und nach der OP war klar, dass es nicht möglich ist, alles operativ zu entfernen, ohne zu viel gesundes Gewebe zu zerstören, das ich brauche, damit meine Organe weiterhin selbstständig arbeiten. Mittlerweile stecke ich in der zweiten Chemotherapie. Ich kotze im Minutentakt nach den Infusionen, mir fallen die Haare aus und ich habe unerbittlichen Durchfall. Meine Eltern wissen davon nichts. Wir sehen uns sowieso selten und deshalb kriegen sie das auch nicht zufällig mit. Mein Studium musste ich an den Nagel hängen und es fällt mir von Tag zu Tag schwerer, daran zu glauben, dass es nochmal irgendwie besser wird. Ehrlich gesagt, habe ich mich schon damit abgefunden, bald zu sterben. Ich beichte, dass ich es nicht übers Herz bringe, meinen Eltern zu sagen, dass ihre älteste Tochter bald stirbt und ihnen damit die Chance verwehre, für mich da zu sein oder sich mit dem Thema auseinander zu setzen und sich darauf vorzubereiten. Ich weiß, sie werden so oder so traurig sein, aber ich will nicht, dass sie mich so sehen und mit mir mitleiden müssen. Vielleicht ist das sogar egoistisch, aber ich kann es einfach nicht und es tut mir jetzt schon unendlich weh, dass sie solch einen Schicksalsschlag erleiden müssen.



Beichte vom 12.03.2013, 18:02:10 Uhr

3.4/5 (139 Votes)

Kein Vertrauen zu meinen Eltern

(00030844)



Meine Eltern lassen sich scheiden. Es war schon seit Jahren unerträglich bei uns Zuhause. Jedes Mal, wenn ich gesehen habe, dass das Auto meines Vaters in der Einfahrt steht und er demzufolge daheim ist, wusste ich bereits, dass das Mittagessen eine Mischung aus Provokationen und Stille sein wird. Ich fand den Auszug meines Vaters, der zwei Monate in Anspruch nahm und währenddessen wir kein Wort wechselten, also nicht überraschend. Dennoch liebte ich meinen Vater. Jetzt jedoch, nach seinem Auszug und weiteren zwei Monaten des Schweigens, rief mein Vater mich an. Ich habe im Rahmen der Scheidung ein Formular unterschrieben, welches meine Mutter dazu berechtigt, die Unterhaltszahlungen meines Vaters an mich zu verwalten. Ich bin volljährig und kurz vor meinem Abitur. Deshalb wollte ich mich auch aus der Schlammschlacht der Scheidung möglichst heraushalten und die Verantwortung abgeben. Mein Vater wollte mir bei unserem ersten Gespräch seit Monaten jedoch einreden, meine Mutter wolle mich über den Tisch ziehen und dass ich ihm doch auch verbunden sei. Ich wusste zu Anfangs nicht, worauf er hinauswollte. Schließlich begann er, mir Angebote zu machen. Ich bräuchte ja, wenn ich studiere, eine Wohnung und er bot mir an, bei ihm zu wohnen. Meine Mutter sei nur auf das Geld aus und wenn ich Geld bräuchte, sollte ich zu ihm kommen.

Ohnehin hätte er meiner Mutter bereits einen größeren Betrag übergeben. Ich stellte meine Mutter zur Rede und sie behauptete, der Geldbetrag sei deutlich kleiner gewesen. Gleichzeitig lässt sie mich völlig im Unklaren. Ich kann meinen eigenen Eltern nicht mehr trauen und habe beschlossen, gleich nach meinem Abitur auszuziehen und mir eine eigene Wohnung zu suchen. Gleichzeitig werde ich versuchen, soviel Geld aus meinen Eltern zu holen, wie ich kann. Ich weiß, das wirkt gierig und egoistisch. Allerdings bin ich der Einzige, dem ich noch vertraue.



Beichte vom 02.03.2013, 00:00:14 Uhr

3.1/5 (156 Votes)

Stehen im Bus

(00030840)



An sich bin ich (w) ein sozialer Mensch und möchte nach meinem Abitur auch ein FSJ machen. Deswegen war ich heute mit dem Bus unterwegs, da ich ein Vorstellungsgespräch für eine FSJ-Stelle hatte. Da ich kurz nach Schulschluss mein Vorstellungsgespräch hatte, war es dementsprechend voll im Bus. Glücklicherweise hatte ich mir einen Sitzplatz sichern können und war recht glücklich, dass ich nicht stehen musste. Doch ganz zum Schluss stieg noch eine verwahrlost wirkende Frau ein, die Krücken zum Laufen brauchte. Im ersten Moment wollte ich sofort aufstehen und ihr meinen Platz anbieten, aber ich zögerte. Denn kaum war die Dame eingestiegen, lästerte sie im lauten Ton, so dass sie sogar all die Schüler deutlich übertönte. Sie erklärte, dass unser politisches System nichts wert sei, da wir eine Kanzlerin hätten und keinen Kanzler. Wir bräuchten wieder einen Mann an der Spitze und diverse ähnliche Aussagen. Ich beichte also, dass ich einer vermutlich gehbehinderten Frau in einem vollen Bus nicht meinen Platz angeboten habe, da sie sich äußerst abfällig und herablassend über andere Menschen geäußert hatte. Übrigens: Nicht nur Frauen wurden von ihr beschimpft, es traf auch einige Männer. Ich fand in diesem Moment, dass es ihr dann nur recht geschieht, wenn sie stehen muss. Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich so gehandelt habe, da das nicht viel besser war als ihr eigenes Verhalten.



Beichte vom 28.02.2013, 18:22:26 Uhr


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