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Ich (w/21), BWL-Studentin im 2. Semester, habe gestern abgetrieben. Meinen etwas älteren Freund habe ich vor einem Jahr im Studium kennengelernt, er ist umsichtig, verständnisvoll und alles, was sich ein Mensch in einer Beziehung nur wünschen kann. Selbst hasse ich Kinder wie nichts in meinem Leben und wünschte mir schon seit Jahren, mich sterilisieren zu lassen. Dieser Wunsch wurde mir natürlich von allen obligatorisch-moralischen Ärzten verwehrt, die sich dieser Verantwortung nicht stellen wollten. Selbst hatte ich aber zu große Angst vor einer Untersuchung, weswegen ich nur zu Gesprächen zu Gynäkologen gegangen bin. Folge: Er dürfte mir keine Verhütungsmittel verschreiben, weswegen mir nur das Kondom blieb.
Ich hasse meinen Körper, meine Weiblichkeit und Reproduktions-Fähigkeit insgeheim so sehr, dass es nur schwer in Worte zu fassen ist. Dennoch schlafe ich gern mit meinem Freund, da er der erste Mann ist, der jemals zärtlich und nett war und mich nicht nur als Objekt sah. Beide schlafen wir lieber ohne Gummi miteinander und es war so kurz nach meiner letzten Blutung, dass rein rechnerisch nichts passieren konnte. Wie es kommen musste, passierte es doch, obwohl er vorher rausging. Ich bekam Panik, rannte anderthalb Wochen nach meiner ausbleibenden Regel das erste Mal zur Untersuchung. Ich war in der 7. Woche schwanger.
Ich heulte, schrie und war dem absoluten Nervenkollaps nahe, wollte mich umbringen vor all dem Selbstekel, den ich empfand. Ich hasste mich. Bin in einen Laden, kaufte mir erstmal eine große Flasche Wodka, dabei wäre ich fast überfahren worden.
Bin sofort nach der Offenbarung zu Profamilia, die mit mir geredet haben, während ich vor Schock nur noch weiter trinken konnte, obwohl ich sonst nie Alkohol anfasse. Das Formular habe ich in Photoshop zurückdatiert, damit mich der Frauenarzt gleich am nächsten Tag von diesem widerlichen Parasiten befreien konnte, ohne wie gesetzlich vorgesehen, drei entsetzliche Tage warten zu müssen. Das war illegal und hätte als Urkundenfälschung böse ausgehen können.
Ich bin allein hingegangen. Unter Narkose haben Sie es weggemacht, ich hatte furchtbare Angst und Schmerzen, danach haben sie mir gleich ein wohl bekanntes Verhütungsmittel eingesetzt, wenn ich dort schon ausgeliefert lag. Mitbekommen habe ich davon nichts, auch trauere ich keineswegs um irgendwelche "Kinder" hinterher. Ich bin egoistisch, narzisstisch und alles andere als moralisch-korrekt, darum kam mir ein eventuell quälender Tod einer kleinen Kreatur nur mehr als recht. Außerdem hätte ich nie dafür finanziell und psychisch sorgen können, ich hätte es womöglich getötet.
Ich bin in psychologischer Behandlung, aber selbst dem Psychologen kann ich es nicht erzählen. Meine Familie wird nichts erfahren, Freunde habe ich keine wirklichen mehr, die mich nicht dafür verurteilen würden, wenn sie es wüssten.
Mein Freund, der eigentlich Kinder mag, und es zwar angenommen aber nicht glücklich damit gewesen wäre, wird es niemals erfahren. Es würde das gegenseitige Vertrauen zerstören und somit eine ganze Beziehung, da er auf meine korrekte Zyklus-Rechnung vertraute. Aber mit ihm schlafen kann ich nun auch nicht mehr, muss immer daran denken, was vor 7 Wochen passiert ist und könnte mich übergeben. Er wird denken, ich mag ihn nicht mehr und das wird das Ende für uns beide sein langfristig. Damit muss ich leben, obwohl es die erste schöne Beziehung ist, die ich je hatte, das ist meine Strafe. Ich erwarte keine Absolution für meine Tat oder die Gründe dafür, ich wollte es nur so dringend irgendwo loswerden.
Beichte vom 26.05.2012, 23:36:58 Uhr
roffelkartoffel Hausfreund
Warum nimmst Du denn nicht die Pille? Aber dass ein Coitus interruptus nicht das Allheilmittel ist ist doch allseits bekannt? Allein für die Tatsache, dass Du glaubtest das könnte als Verhütung neben dem Tage zählen langen prädestiniert Dich dafür Dich aus der uni zu exmatrikulieren...
29.05.2012, 09:09 Uhr