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Ich möchte etwas beichten, was ich demnächst erst tun werde. Ich arbeite bei einer Bank in einer kleineren Dorffiliale und natürlich gibt es neben den vielen netten Kunden auch ein paar schwierigere - ist ja überall so. Ein Kunde allerdings ist ein richtiges - entschuldigt den Ausdruck - Arschloch. Dieser Mann betreibt in der Stadt in einem Kaufhaus einen Softeis-Stand und kommt immer alle paar Rutsch mal mit einem Mordseimer voller Kleingeld um es zählen und einzahlen zu lassen. Er hat alles vorher immer schon schön verpackt in den kleinen Rollen, was wir so aber natürlich nicht akzeptieren dürfen wegen Falschgeld und eventueller Ungenauigkeit beim Zählen. Zwei von uns müssen dann also immer den Eimer zur Zählmaschine schleppen, die ganzen Rollen aufdrehen, sie für den Kunden sammeln und das Geld in die Zählmaschine lassen - ist auch alles noch gar kein Problem. Besagter Kunde, nennen wir ihn mal X, dauert dieser circa 30-minütige Vorgang dann immer viel zu lange, also geht er in der Zwischenzeit einen Spaziergang machen und kommt dann später wieder. Letzte Woche war er dann wieder mal da. Meine Kollegin und ich gingen das Geld zählen, muss ja immer alles nach dem Vier-Augen-Prinzip ablaufen. Als wir fertig waren, notierten wir den Betrag und gingen wieder zurück in den Hauptraum. Nach 20 Minuten kam dann X wieder und wollte wissen wie viel Geld es war. Ich war gerade bei einer anderen Kundin, also wurde Herr X von der anderen Kollegin bedient. Sie nannte ihm den Betrag und daraufhin rastete er komplett aus, weil "wir" uns um einen kleinen Betrag (weniger als 5 Euro) verzählt hätten und meine Kollegin dies in die eigene Tasche gesteckt hätte. Hierzu muss ich kurz sagen, dass meine Kollegin eine herzensgute und liebenswerte Frau ist, so ein richtiger Mutti-Typ: Haste ein Problem mit irgendwas gehst du zu ihr, sie hört zu und hilft. Auch bei unseren Kunden ist sie extrem beliebt, sie bekommt von den alten Omis oft kleinere Präsente mitgebracht.
X beschuldigte also meine Kollegin in einer dermaßen unangebrachten Lautstärke (ich musste sogar aufhören die andere Kundin zu bedienen) und mit absolut unsachlichen Worten, sein Geld eingesteckt zu haben und dass das ja nicht das erste Mal sei dass das vorkäme (es gab ein paar Mal Falschgeld bei ihm, welches wir natürlich zur Zentralbank geschickt haben und dort nochmals extra auf Echtheit haben prüfen lassen) und so weiter. Meine Kollegin versuchte, ihn zu beruhigen und zu erklären, dass wir zu Zweit dort drinnen gewesen sind und dass das gar nicht sein hätte können und dass er sich vielleicht einfach verzählt hätte, das könne bei einem solchen Betrag (mehrere Tausend Euro) ja schon einmal vorkommen wenn man mit Hand zählt. Daraufhin drehte er komplett durch und meinte meine Kollegin solle lieber Ihren Job richtig machen, sie würde ja sonst eh nur rumsitzen und ihren Stuhl der Form ihres Hinterns anpassen und so weiter. Derweil kamen ich und eine andere Kollegin meiner Kollegin zur Hilfe und versuchten X zu beruhigen und zu klären, dass das ja so wohl nicht laufen kann und er sich hier nicht aufführen kann wie der Elefant im Porzellanladen, woraufhin wir beschuldigt wurden "alle unter einer Decke zu stecken". Freundlich machten wir ihn darauf aufmerksam, dass auch er als Kunde bei Summen über 500€, die wir in die Zählmaschine einlassen müssen, den Richtlinien zufolge 0,5% des Gesamtbetrags an die Bank zahlen hätte müssen, was in seinem Fall, allein an diesem Tag den Betrag wegen dem er sich hier so aufführte um ein Vielfaches überstieg und machten ihn auch gleich darauf aufmerksam, dass wir bisher gerne darauf verzichtet haben, aber dies zukünftig nicht mehr so laufen müsse, wenn er meine sich weiter so aufzuführen. Er drohte kurz die Bank zu wechseln, was - Vorsicht Ironie - ja sowas von fatal für uns wäre, wir erklärten aber schnell, dass viele andere Banken solche Beträge von vornherein schon gar nicht zählen, es einschicken lassen müssen oder höhere Gebühren dafür verlangten. Es ging dann noch eine Weile hin und her, er war die ganze Zeit über recht ausfallend und vulgär, schließlich rauschte er ab, nicht ohne damit zu drohen, am nächsten Tag nochmal zu kommen um mit unserem Chef (zu dieser Zeit außer Haus) zu reden.
Meine Kollegin klappte daraufhin völlig zusammen und heulte Rotz und Wasser und wir wussten nicht so recht wie wir ihr helfen konnten. Als unser Chef kam, berichteten wir ihm von dem Vorfall und er sagte uns natürlich seine Unterstützung zu. Herr X war nämlich bereits vorher schon in mehreren Teilen unseres Geschäftsgebietes als schreiender Choleriker aufgetreten, sein neuester Ausraster war nur die Spitze des Eisberges. Unser Chef meinte dann, er würde X am nächsten Tag beim Gespräch unseren Standpunkt energisch deutlich machen. Ob das so passiert ist, weiß ich nicht - sie waren ja unter vier Augen.
Mir lässt das Ganze aber irgendwie keine Ruhe und ich habe mir überlegt, meinen eigenen kleinen Racheplan auszuhecken. Nun kommt meine Beichte: Ich werde vorsätzlich das Geschäft dieses Mannes schädigen. Und zwar werde ich ihm das Gesundheitsamt auf den Hals hetzen. Es gibt bereits Zweifel an der Sauberkeit seiner Maschinen. - Ich werde also zwei, dreimal beim Gesundheitsamt anrufen und mich extremst beschweren, dass ich nach dem Verspeisen des dort gekauften Eises die ganze Nacht kotzend über meiner Toilettenschüssel hing, diese Variante wird dann von verschiedenen Stellen bestätigt und dem Amt gegebenenfalls ein bisschen Druck gemacht und dann will ich sehen wie dieser arrogante, widerlich stinkende Fettsack mit seinem roten Kopf und seiner Choleriker-Ader auf der Stirn in meine Filiale gekrochen kommt und versucht zu erklären, warum er seinen Kredit bei uns "jetzt erstmal nicht weiter abbezahlen kann".
Ich bin wirklich kein böser Mensch und ich will auch niemandem etwas böses, aber dieser Mensch hat es verdient! Der Mann ist überall bekannt als Choleriker und Schreihals und es wird mal langsam Zeit, dass ihm jemand einen Dämpfer verpasst. Wer meint, so respektlos mit seinen Mitmenschen umgehen zu müssen, hat es nicht anders verdient. Vielleicht lernt er ja was draus - wenn man netter zu seinen Mitmenschen ist, wollen die einem in der Regel auch nichts böses, vielleicht nimmt er sich das dann mal zu Herzen.
Beichte vom 26.09.2011, 16:31:54 Uhr
Lif Beichthaus Hipster
Also du beichtest ne geplante Straftat, weil der Typ ausgerastet ist, weil ihr ihm angeblich Geld geklaut hättet (was ihr auch habt)? Macht natürlich Sinn. Und wieso zählt ihr das Geld per Hand, nachdem ihr's zur Zählmaschine getragen habt? Als Fazit: Wie kann er's bloß wagen euch anzuschreien, bloß weil ihr ihm Geld klaut? Frechheit.
27.09.2011, 11:32 Uhr