Mein gehasster Callcenter-Job

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Morallosigkeit Habgier Telefon Arbeit Dinkelsbühl

Mein gehasster Callcenter-Job
Ich war Ende letzten Jahres mal wieder auf Ausbildungssuche und bin dabei auf ein Callcenter in meiner Stadt gestoßen, die dieses Jahr ausbilden. Ich bewarb mich auf die Stelle und wurde auch recht zeitnah zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dabei schnitt ich gut ab und mir wurde direkt für die Ausbildung zugesagt und eine sofortige Einstellung angeboten. Da ich dort besser verdiente als in meinem damaligen Job, nahm ich das Angebot auch gerne an. Ich begann nun also mit einer Beschäftigung in diesem Callcenter, was ja alles schön und gut wäre, wäre da nicht das Produkt, welches ich dort verkaufen muss. Der Tag besteht darin, Menschen anzurufen, sie darauf hinzuweisen, sie hätten an dem und dem Datum bei einem Fernsehsender an einem Gewinnspiel teilgenommen und haben jetzt was bei uns gewonnen. Viele sagen natürlich, sie hätten dort nicht angerufen, was ich ihnen auch meistens glaube. Dennoch muss ich darauf bestehen, da ja deren Telefonnummer bei uns eingegangen ist. Nachdem der Gewinn schnellstmöglich abgearbeitet ist, kommt es zum eigentlichen Thema, dem verhassten Produkt. Ich muss den armen Menschen ein bekanntes Gewinnspiel aufschwatzen, bei der sie mit mehr Chancen mitspielen. Dadurch preisen wir auch groß unsere Treffergarantie an: "Sie können also gar nicht leer ausgehen!" Eine Bekannte meiner Kollegin hatte mal bei solch einer Aktion mitgemacht und am ende ganze drei Cent gewonnen. Ich weiß, dass ich keinem einen Gefallen damit tue, ein solches Produkt zu verkaufen, ich glaube mir ja das, was ich sage, nicht einmal selbst. Dennoch bin ich glücklich, wenn jemand das Produkt kauft.

Selbst wenn ein Kunde ablehnt, müssen wir immer weiter darauf herumreiten, immer wieder Überredungsversuche starten und die Vorteile aufzählen. Es ist einfach schrecklich. Oft lasse ich es auch nach dem ersten "wieso wollen Sie nicht mitspielen?" bleiben und lasse die armen Menschen in Ruhe. Wenn ich eine nette Person am Telefon habe, unterhalte ich mich über private Themen mit dieser, um so viel Zeit wie möglich zu schinden, damit ich weniger Leute belästigen muss. Würden diese Gespräche nicht aufgezeichnet werden, würde ich die Leute auch nach dem ersten Nein auch sofort in Ruhe lassen, ich darf es aber nicht. Da ich mich in diesem Job nur quäle und mich einfach nur als Abzockerin fühle, ist für mich auch klar, dass ich dort keine Ausbildung machen möchte. Ich habe begonnen, mich auf andere Stellen zu bewerben, aber bevor ich keine andere anfangen kann, werde ich in diesem Beruf bleiben, denn ich sage es mal so: lieber so einen Job als gar keinen. Ich brauche das Geld einfach. Meine Teamleiterin lasse ich auch in dem Glauben, ich würde dort gerne arbeiten und auch die Ausbildung dort machen, aber ich bin einfach nur froh, wenn ich was anderes gefunden habe. Ich hasse mich ja selbst dafür, was ich tue. Ich habe hier auch schon viel gelesen, was mit den "netten Damen vom Callcenter" für Unfug getrieben wurde und mich wundert es echt nicht. Würde jemand bei mir anrufen und mir das sagen, was ich täglich den Menschen auftische, würde ich auch auflegen. Wenn ich mal einen von euch am Telefon hatte: es tut mir einfach nur leid, eure Zeit gestohlen zu haben! Und noch was zum Schluss: Ruft nicht im Fernsehen bei Gewinnspielen an! Es kostet euch nur ein Haufen Geld und am Ende ruft euch nur so jemand wie ich an.

Beichthaus.com Beichte #00030835 vom 27.02.2013 um 23:16:47 Uhr in Dinkelsbühl (23 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

Typ1983

Was genau ist hier die Beichte? Du hast dich vom Geld dazu verleiten lassen einen Job anzunehmen, von dem du vorher hättest wissen können, dass er dir nicht gefällt. D. h. du beichtest, dass du gierig auf Geld und doof bist?

28.02.2013, 13:33 Uhr     melden


G.Now

Zumindest versuchst Du, da wegzukommen. So einen Job haelt doch ein klar denkender Mensch nicht lange aus.

28.02.2013, 13:49 Uhr     melden


29873

Das negative Image von Call-Centern ist nicht seit gestern bekannt. Dann hast du eigentlich wissen müssen, was auf dich zukommt. Aber OK, du hast ja Geld verdienen wollen und mittlerweile distanzierst du dich davon. Niemand will was von Call-Centern, warum legen die Leute nach einem freundlichen Danke nicht auf? Dann würde es diese Center nicht mehr geben. Mit solch merkwürdigen Dingen das Geld zu verdienen, finde ich nicht in Ordnung.

28.02.2013, 13:54 Uhr     melden


smhemail

Der Deutsche Bundestag beschloss am 26. März 2009 in zweiter und dritter Lesung das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung und zur Verbesserung des Verbraucherschutzes bei besonderen Vertriebsformen. Es trat am 4. August 2009 in Kraft. Das Gesetz sieht verschiedene Änderungen und Klarstellungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), dem Telekommunikationsgesetz und der BGB-Informationspflichten-Verordnung vor.

Verstöße gegen das schon zuvor bestehende Verbot der unerlaubten Telefonwerbung können nun mit einer Geldbuße bis zu 50.000 € geahndet werden. Der § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG wurde so umformuliert, dass ein Werbeanruf nur dann als zulässig zu betrachten ist, wenn der Angerufene vorher ausdrücklich erklärt hat, Werbeanrufe erhalten zu wollen. Bei Werbeanrufen darf der Anrufer seine Rufnummer nicht mehr unterdrücken, um seine Identität zu verschleiern. Bei Verstößen gegen diese Regelung drohen den Anrufern Geldbußen bis zu 10.000 €. Der Verbraucher bekommt außerdem mehr Möglichkeiten, Verträge zu widerrufen, die telefonisch abgeschlossen wurden. Auch Verträge über den Bezug von Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten sowie Lotterie-Dienstleistungen können nun – anders als zuvor – widerrufen werden.

Schon das UWG in der alten Fassung stellte werbende Telefonanrufe ohne Einwilligung des Verbrauchers als unzumutbare Belästigung dar. Untersagt waren und sind Telefonanrufe, die eine Wettbewerbshandlung darstellen, d.h. Anrufe, die den Zweck verfolgen, den Absatz oder den Bezug von Waren, die Erbringung oder der Bezug von Dienstleistungen zu fördern. Eingeschlossen sind hierin unbewegliche Sachen, Rechte und Verpflichtungen (§ 7 Abs. 1 und 2 Nr. 2, 1. Alt. i.V.m. § 3 und § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG).

Nach einem Urteil des Oberlandesgericht Frankfurt am Main aus dem Jahre 2005[2] genügt das Vorliegen einer Geschäftsbeziehung nicht zur Annahme einer konkludenten oder ausdrücklichen Einwilligung eines Verbrauchers zu Werbeanrufen. Im vorliegenden Fall hatte eine Versicherungsgesellschaft eine Verbraucherin, die als Kundin bei dieser versichert war, angerufen, um den Abschluss weiterer Versicherungen zu erreichen. Das OLG Frankfurt am Main in seiner Urteilsbegründung:

Quelle: Wikipedia

28.02.2013, 14:18 Uhr     melden


patrikk

Hab auch mal in einem Callcenter gearbeitet und muss sagen, dass das die schlimmsten drei Arbeitswochen meines Lebens waren. Ich kann dich gut verstehen. Sieh einfach zu, dass du da so schnell wie möglich rauskommst, davon wird man nur blöd.

28.02.2013, 14:28 Uhr     melden


greenhorn

Volle Absolution, du musst auch leben, und wenns nur so geht ist das eben so. Trotzdem bist du scheinbar eine nette Persönlichkeit. Nur bitte ruf nicht meine Oma an, die kauft alles was sie angeboten bekommt.

28.02.2013, 14:44 Uhr     melden


Ninka

Ich würde an deiner Stelle gleich kündigen, dass schlechte Gewissen was du davon bekommst, kann das Geld auch nicht gutmachen. Ist zumindest meine persönliche Meinung.

28.02.2013, 15:00 Uhr     melden


Schuhverkäufer

Schade das CallCenter solch einen Negativen Ruf haben.
Ich arbeite als Zweitjob auch bei einem. Nur bieten wir dort Kundenservice an. Das heißt der Kunde ruft bei uns an.

28.02.2013, 16:52 Uhr     melden


thrillor aus Dortmund, Deutschland

Habe gehört, dass die Telefonnummern aus eigentlich unzugänglichen Datenbanken (ehemaliger) Spielsüchtiger gefischt werden. Echt mies, was da getrieben wird.
Bei 'nem einfachen Kellnerjob habe ich wenigstens kein schlechtes Gewissen. Du tust hier Niemandem was Gutes, außer deinem Arbeitgeber.

28.02.2013, 16:55 Uhr     melden


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Silberwolf1 aus Köln, Deutschland

Such dir ein seriöses Call-Center (ja, die gibt es). Da kann man neben dem Studium gut Kohle machen.

28.02.2013, 18:55 Uhr     melden


LacrimaMosaEst

Naja, Job ist halt Job! Aber wenn du damit nicht klar kommst, dann viel Glück bei der Suche für einen neuen.. Es wird sich auch immer einer finden der deinen Platz übernimmt! Heutzutage gibt es doch echt selten noch Jobs die einem wirklich Spaß machen, geschweige denn Traumjobs! Wenn jemand das macht was er auch immer wollte dann beneide ich den, aber Arbeit bedeutet nunmal arbeiten und nicht Spaß! Hätte sie/er geschrieben lieber Hartz als dieser Job hätte es euch auch nicht gepasst! Auch wenns ein assiger ist, du verdienst Geld und überlebst so! Dennoch hoffe ich mal für dich du findest was womit du zufriedener bist!

28.02.2013, 19:22 Uhr     melden


Psychobold aus Blechwerk Happendorf, Deutschland

Mich würde mal viel mehr interessieren, was du dort als Azubi lernst. Sich die Nägel schön machen und nebenbei die Leute am Telefon besoffen quatschen kann doch unmöglich ein IHK Ausbildungsberuf sein. Das kann eigentlich jede halbwegs begabte Frau von klein auf auch ohne eine Ausbildung. Und da es dich nicht befriedigt- schmeiss hin und such dir ne anständige Lehrstelle. Gibt doch wirklich genug seriöse Firmen die Nachwuchs suchen.

28.02.2013, 19:31 Uhr     melden


MeinSenfDazu

Ich kenne diesen Job, ich mache ihn seit 5 Jahren. Aber ich verkaufe seriöse Zeitungsabos, nichts anderes, und ich ziehe die Leute nicht über den Tisch. Das heißt, es werden nur Adressen angerufen, die ein Testleseangebot bestellt hatten. Und wir haben ein gutes und relativ entspanntes Arbeitsklima dort. Ich verstehe dich, wenn solche Bedingungen herrschen wie du es schilderst (ähnliche Geschichten kenne ich auch von Kollegen die vorher andere Jobs hatten) dann würde ich bei der nächstbesten Gelegenheit gehen. Es ist eine Schweinerei, ahnungslosen Menschen so einen Schwindel andrehen zu MÜSSEN. Durch solche Sachen ist der Job als Callcenter-Agent auch so verrufen. Dabei müssen die Dienstnehmer sich strikt an die Anweisungen halten. Ich gebe dir auch den guten Rat, verschwinde von dort sobald du annähernd etwas Seriöseres findest. So ein Druck von oben, sich genau an die Anweisungen zu halten, und die (berechtigt) aufgebrachten Kunden können auf Dauer dein Nervenkostüm ruinieren. Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben wenn du gehst, auch wenn du jetzt vorgibst, bleiben zu wollen.

28.02.2013, 21:41 Uhr     melden


UselessBob aus Pirmasens, Deutschland

Ich hätte ja mal gerne die Telefonnummer von so einem Callcenter. Damit würde ich dann so viele Gewinnspiele ausfüllen wie ich finden kann.

01.03.2013, 01:23 Uhr     melden


lord-doofie aus Deutschland

Ich empfehle: Youtube -> Dubiose Anrufe für Kay-Uwe Meyer

01.03.2013, 04:53 Uhr     melden


goofball

Du bist ein guter Mensch in einem schlechten Job. Lasst uns gemeinsam schlechte Jobs bekämpfen und bessere schaffen!

01.03.2013, 08:32 Uhr     melden


Whitie66 aus Deutschland

Ich finde nicht, dass Du etwas zu beichten hast. Dein Gewissen schreit Alarm bei diesem Job und Du merkst Deine Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt. Aus Deiner Sicht machst Du mit Deinen Möglichkeiten alles, um Dich zu wehren. Ich wünsche Dir Glück bei der Jobsuche!

01.03.2013, 08:44 Uhr     melden


WeiseFrau aus Berlin, Deutschland

Welchen Job hast Du vorher gemacht? Wie lange müsstest Du noch, bis die Ausbildung beendet ist? Ich kenne solche Läden und hab mir das mal angeguckt, es aber sein lassen, weil ich sowas hasse. Seriöse Callcenter sind die, wo Leute anrufen und etwas aus dem Katalog bestellen wollen (Neckermann, Weltbild).

01.03.2013, 12:51 Uhr     melden


Mr.Hyde

Ich find den Job jetzt auch gar nicht sooo extrem verwerflich. Also klar, es ist nicht nett Leute anzurufen und zu stören, aber letztendlich die Leute zwingen Ja zu sagen kann man ja nicht. Selbst, wenn Du noch so viele Vorteile aufzählst und die Leute versuchst zu überzeugen, jeder klardenkenden Person sollte klar sein, dass niemand etwas zu verschenken hat und sollte einfach weiter Nein sagen und auflegen. Bei normaler Werbung für Produkte wird die Wahrheit ja auch oft stark gedehnt, da ist dann der Kunde auch mitverantwortlich.

01.03.2013, 15:39 Uhr     melden


Der Seher

Zweiter Absatz, selbst wenn ein Kunde ablehnt... Bla. Ich lasse sowas wie den Beichter (oder die Beichterin?) gar nicht erst zu Wort kommen, zum Ablehnen kommts da gar nicht mehr.

04.03.2013, 23:34 Uhr     melden


kiwihunter

Ich kann dich vollkommen verstehen, auch wenn es mir spaß macht mit anrufern wie dir schabernack zu treiben... und Typ1983 deine bescheuerten kommentare kannst du dir sparen

02.05.2013, 23:20 Uhr     melden


MaAE aus Deutschland

Ganz herzlichen Dank für diese Information! Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie belastend es ist, für den Arbeitgeber lügen und betrügen zu müssen, denn: "Wes' Brot ich iss', des Lied ich sing'". Als Angestellter brauchst du den Job und das Geld. Und dein Arbeitgeber manipuliert dich so, dass du in seinem Sinn arbeitest, obwohl du fühlst, dass du dabei Unrecht tust. Ich hoffe, du hast inzwischen eine ehrliche Arbeit gefunden.

18.06.2013, 17:01 Uhr     melden


Otto4 aus Deutschland

Call-Center. Ja, wenn die Leute, die angerufen werden, gleich auflegen würden - ALLE - dann gäbe es solchen Quatsch gar nicht. Das Schlimme ist doch, dass man als Arbeitnehmer heute oft gar keine andere Möglichkeit hat, Geld zu verdienen. Und witzigerweise würden die gleichen Leute, die meinen, man sollte solche Arbeit gar nicht erst annehmen, wie wild aufheulen, wenn man als Arbeitsloser die Arbeit in einem Call-Center verweigern würde. So sieht das doch aus! Also immer den Ball schön flach halten! Und der Beichterin wünsche ich, dass sie so schnell wie möglich etwas anderes finden möge.

23.11.2013, 20:56 Uhr     melden


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